Entzündungsursache Stress

Haben Sie heute schon einmal aus dem Fenster geschaut; sich fünf Minuten Zeit für sich genommen? Nein? Dann geht es Ihnen wie vielen Schweizer Erwerbstätigen. Ein Drittel von ihnen fühlt sich häufig oder sehr häufig gestresst. Ihnen fehlt schlicht die Zeit, durchzuatmen. Vor allem die Jungen klagen über zu hohe Anforderungen und einen Mangel an Entlastung – beides Faktoren, die zu negativem und damit gesundheitsschädigendem Stress führen.

Dass Stress krank macht, ist bekannt. Doch über das “Wie” war man sich bis jetzt noch unschlüssig. Harvard-Mediziner haben dieses Rätsel nun gelöst. Bei einer Studie an über 300 Erwachsenen konnten sie zeigen, dass die Aktivität der Amygdala im Hirn bei starkem Stress ansteigt. Daraufhin sendet sie Signale u.a. an das Knochenmark aus, vermehrt weisse Blutkörperchen und andere Entzündungsstoffe herzustellen. Das Ergebnis: chronische Entzündungen im Körper – ganz ohne Keime oder Infektionen. Langfristig führen diese Entzündungen zu vorzeitiger Gefässverengung und damit zu einem erhöhten Risiko für einen Herzinfakt oder Schlaganfall.

Chronischer Stress wirkt also ganz ähnlich schädigend wie zum Beispiel Rauchen. Deshalb sollten Ärzte auch diesen Risikofaktor abfragen und ihre Behandlung danach ausrichten. Besser als eine späte Therapie wäre jedoch, die Arbeitnehmer schon im Vorfeld zu sensibilisieren. Verhaltensprävention lautet das Schlagwort. Dabei werden neben Stressbewältigungskompetenzen auch Entspannungstechniken vermittelt. Denn auch das ist bewiesen: Autogenes Training (AT) oder Progressive Muskelentspannung (PME) können die negativen Auswirkungen von Stress deutlich reduzieren. Am besten findet eine solche Verhaltensprävention übrigens als Weiterbildung während der Arbeitszeit statt. Denn von ausgeglichenen, gesunden Mitarbeitenden profitieren nicht zuletzt die Arbeitgeber.

Quellen:
SZ.de, (Süddeutsche Zeitung), 13. Januar 2017: Stress führt zu Entzündungen im Körper, ganz ohne Keime
SZ.de, (Süddeutsche Zeitung), 12. Oktober 2016: Das stresst die Deutschen am meisten
Stressstudie 2010: Stress bei Schweizer Erwerbstätigen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO